SEO aus der Mottenkiste

4 Von - 7. April 2017 - SEO

Suchmaschinenoptimierung ist ein extrem wandelbares Gebiet. Unter anderem, weil sich die Rankingfaktoren und die daraus abzuleitenden SEO-Maßnahmen regelmäßig ändern. Dennoch halten sich manche Maßnahmen hartnäckig seit vielen Jahren – sowohl auf Agentur- als auch auf Kundenseite. Deshalb wird es Zeit, mit zehn besonders veralteten SEO-Maßnahmen aufzuräumen:

10 SEO-Maßnahmen von vorgestern

1. Text-to-Code-Ratio

Im April 2016 betonte John Müller im Google Webmaster Hangout, dass die Text-to-Code-Ratio von Google nicht bewertet wird. Einige SEO-Tools allerdings haben diesen Wert eingefügt und bemängeln, wenn der Textanteil unter 20 Prozent liegt. Auf Kategorie-Seiten von Shops ist es quasi auch unmöglich über den empfohlenen Wert zu kommen. Hier der Ausschnitt:

 

2. 302 Weiterleitungen

In SEO-Tools werden 302 Redirects als kritisch eingestuft, da diese im Gegensatz zu 301 Redirects keinen PageRank übertragen sollen. John Müller twitterte, dass auch 302 Redirects PageRank übertragen. Wenn man aber möchte, dass nur die neue Zielseite inklusive Rankings indexiert werden soll, sollte man 301 Redirects nutzen. Bei Statuscode 302 wird hingegen nur die Originalseite indexiert. John Müller hat einen kompletten Redirect Guide auf Goolge+ verfasst.

3. Keyword Stuffing im Title-Tag

Ich hätte nicht gedacht, dass ich diese sehr alte SEO Maßnahme erwähnen muss, doch die Praxis belehrt mich eines Besseren. So wie auch dieses aktuelle Beispiel:

Keyword-Stuffing im Title

Hier wird das Hauptkeyword „Robe“, zu deutsch „Kleid“, mit all seinen Kombinationen wie „kurzes Kleid, langes Kleid, Abendkleid, Pulloverkleid …“ in den Title gesteckt. Man hört dazu immer noch Aussagen wie: „Es ist doch gut für SEO, wenn ich alle meine wichtigen Keywords im Title unterbringe“. Nein, ist es nicht. Es ist erstens spammy und zweitens verleitet es den Nutzer nicht zum Klicken. Und das Resultat von abnehmenden Klicks sind fallende Rankings.

4. Interne Verlinkung: Linktexte und Anzahl

Dass die übermäßige Verwendung von „harten“ Ankertexten bei eingehenden, externen Links mehr schadet als nützt, ist weithin bekannt. Aber auch bei ausgehenden und internen Verlinkungen sollte man darauf achten, dass man mit Anzahl und Textlänge der Links nicht übertreibt. Wenn zum Beispiel ein interner Link in der Navigation, in der Sidebar, im Footer und noch zweimal im Text vorkommt, könnte das für Google spammy aussehen. Ich denke, solange man sich an Usability-Regeln hält und der Link an der Stelle passt, muss man sich keine Sorgen machen. In diesem Beispiel verlinkt der Text zwar auf unterschiedliche Unterseiten, aber alleine die Anzahl und Usability finde ich schon etwas kritisch:

Beispiel für interne Verlinkungen, die spammy wirken könnte

5. Links und Texte im Footer

Eine beliebte Methode waren auch Links und Texte im Footer um das Ranking zu manipulieren. Da Footer meistens seitenweit eingesetzt werden und wenig Usability bieten, werden externe Links als Spam gekennzeichnet (sitewide links). Interne Verlinkung ist dagegen in Ordnung, so lange es nicht übertrieben wird. Absehen sollte man auf jeden Fall von Keyword-Stuffing oder Texten im Footer – auch wenn er nicht seitenweit vorkommt. Neben der schlechten Usability erkennt Google es ziemlich schnell als Spam. Der Googlebot rendert die Seiten so, wie sie ein Mensch sehen würde. Mit allen Farben und Funktionen.

Schwer lesbarer Text im Footer führt zu schlechter Usability

6. Einzelne Unterseiten für Keyword-Varianten

Früher war es gängige Praxis, für jede zu optimierende Keyword-Variante eine eigene Unterseite zu erstellen. „Marketingpages“ oder „SEO Pages“ nannten die Agenturen das damals. Seit Updates wie Google Hummingbird und zuletzt Rankbrain ist diese Vorgehensweise natürlich vollkommen obsolet. Die semantische Suche möchte möglichst zur Suchintention der User passende Ergebnisse liefern. Holistischer Content, der ein ganzes Thema abbildet wird hierbei bevorzugt, das einzelne Keyword (Unterseite) verliert an Bedeutung. Oder denken Sie, dass Google beziehungsweise der Nutzer noch zwei unterschiedliche Seiten zu „Betriebsumzug“ und „Betriebsumzüge“ haben möchte?

Glossar mit Unterseiten für jedes einzelne Keyword

7. Foren-Links und dergleichen

„Ist Ihre Seite schon in dmoz gelistet?“ fragte man früher Kunden zu Beginn der Linkbuilding Maßnahmen. Es war damals ein Leichtes, an effektive Links zu kommen. Solche SEO-Verzeichnisse, Artikel-Verzeichnisse für Pressemitteilungen, Bookmarks, etc. haben heutzutage keinerlei Einfluss mehr. Im besten Fall werden diese ignoriert. Wer in 2017 aber noch mit Kommentar- oder Foren-Links (=Spam) hantiert, wird von Google gnadenlos abgestraft.

8. Mehrere Microsites oder Domains zum gleichen Thema

„Ich habe mir noch Domain XY und Domain XYZ gesichert, was machen wir mit denen?“, fragten öfter Kunden wenn sie sich mehrere Microsites oder Domains zum gleichen Thema und für die gleiche Zielgruppe beispielsweise aus Wettbewerbsgründen reserviert hatten. Am besten sollte dann noch schön untereinander hin und her verlinkt werden. Das bringt natürlich in den meisten Fällen gar nichts mehr. Man sollte sich lieber auf ein Projekt konzentrieren. Dieses gewinnt dann auch schneller an Domain Authority und rankt besser, als wenn man seine Arbeit für guten Content, gute Links und andere Marketing-Maßnahmen auf drei Domains verteilen muss.

9. Keyword-Domains

Dieser Punkt hängt mit dem gerade beschriebenen Punkt 8 zusammen: „Ich habe mir zusätzlich zu unserer Brand-Domain „abc.de“ noch die Keyword-Domain „sportwetten.de“ gesichert, die rankt doch bestimmt auch gut.“ Falsch gedacht. Nun ist es so, dass Keyword-Domains in den letzten Jahren immer mehr an Relevanz bei den Rankingfaktoren verloren haben. Das könnte unter anderem daran liegen, dass die Nutzer über die Jahre hinweg gelernt haben, dass diese Angebote meistens nicht sonderlich positiv oder vertrauenswürdig waren. Bekannte Marken besitzen einfach mehr Vertrauen bei Ihren Kunden und ein besseres Image und auch mehr Kompetenz als Domains wie „handy-kaufen.de“ oder „risikolebensversicherung.net“.

10. AdWords „Wettbewerb“ und „CPC“ als SEO Kennzahl verwenden

Es ist ein weit verbreiteter Fehler bei der Keyword-Analyse, die Werte „Wettbewerb“ oder „vorgeschlagenes Gebot“ aus dem Google Keyword Planner auf die Schwierigkeit der Optimierung der organischen Suche zu beziehen. Diese Werte sind ausschließlich für die bezahlte Suche. Dennoch kann man den „CPC“ als Anhaltspunkt nehmen, um einen Trend abzulesen. Für den organischen Wettbewerb müssen andere Kennzahlen herangezogen werden wie: „Wer rankt für meine Suchbegriffe oben?“, „Wie viele und welche Links besitzen diese Seiten?“, „Wie gut ist der Content?“, „Wie gut finden sich Nutzer auf der Seite zurecht?“, etc. Das sind alles schwierig zu bestimmende Faktoren. Auch die Anzahl der Suchergebnisse ist nicht immer ausschlaggebend. So hat der Suchbegriff „feel the innovation“ 318 Mio. Ergebnisse, ist aber weitaus leichter zu optimieren als „fertighäuser“ mit 658.00 Ergebnissen.

Weniger Suchergebnisse, aber schwierige Optimierung

Es gibt noch mehr als diese 10 SEO-Maßnahmen, aber mit den genannten Tipps vergeuden Sie zumindest keine Ressourcen für veraltete Praktiken. Fallen Ihnen noch weitere Old-School-SEO-Maßnahmen ein? Schreiben Sie diese einfach in die Kommentare.

Patrick Föller

Patrick Föller

Senior SEO Manager bei seonative
Er ist spezialisiert auf die Verzahnung der verschiedenen Marketingkanäle und berät umfassend über die Möglichkeiten von Online-Marketing-Kampagnen. Immer im Blick: die optimale Ausschöpfung möglicher Potenziale.
Patrick Föller

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1 Kommentar

  • Ute Lochner 21. September 2017 - 10:57 Reply

    Ein sehr interessanter Beitrag, vielen Dank!

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